Ein Plädoyer für echte Begegnungen (und Granulat)
Warum der digitale Handschlag allein nichts wert ist
Lohnt es sich heutzutage eigentlich noch, zwei Tage lang das Büro zu verlassen, sich ins Auto oder die Bahn zu setzen und nach Würzburg zu fahren, nur um mit Leuten zu reden, die man auch per Video-Call erreichen könnte?
Die kurze Antwort lautet: Ja. Verdammt noch mal, ja.
Die etwas längere Antwort ist dieser Artikel. Denn wenn wir eines bei unseren ersten tetys excellence days am 6. und 7. November in Würzburg gelernt haben, dann das: Innovation passiert nicht, wenn man alleine vor seinem Monitor sitzt. Innovation passiert, wenn Menschen zusammenkommen, Kaffee trinken und feststellen, dass sie alle im selben Boot sitzen… und dass dieses Boot manchmal dringend einen neuen Anstrich oder einen neuen Motor braucht.
Spoiler: Es geht hier nicht nur um Software. Es geht um den klassischen Geruch von Maschinenhallen, den Blick über den Tellerrand und die beruhigende Erkenntnis, dass man nicht “verrückt” ist, sondern dass komplexe Prozesse einfach... nun ja, komplex sind.
Die Illusion der digitalen Nähe
Hand aufs Herz: Wir haben uns alle daran gewöhnt. "Können Sie mich hören?", "Sie sind noch stummgeschaltet", "Moment, ich teile mal meinen Bildschirm". Das ist unser Alltag. Und verstehen Sie mich nicht falsch, Digitalisierung ist unser Job, unsere Leidenschaft und der Grund, warum tetys existiert. Aber Digitalisierung ist ein Werkzeug, kein Ersatz für zwischenmenschliche Chemie.
Man kann per Teams keine Stimmung spüren. Man kann per Zoom niemandem auf die Schulter klopfen. Und man kann in einer Web-Konferenz schlecht am Rande mitbekommen, wie ein anderer Kunde genau das Problem gelöst hat, das einem selbst seit Wochen Kopfschmerzen bereitet. Das passiert nur im "echten Leben".
Würzburg: Mehr als nur ein Standort
Warum also Würzburg? Warum das SKZ (Süddeutsches Kunststoffzentrum)? Weil wir ein Zeichen setzen wollten. Ein Zeichen gegen das Silo-Denken.
Wenn wir über MES oder APS (oder auch ERP) sprechen, neigen wir dazu, in Tabellen und Datenbanken zu denken. Aber die Realität unserer Kunden findet nicht in einer Cloud statt – sie findet in der Werkhalle statt. Sie ist laut, sie ist physisch, sie ist greifbar.
Indem wir die excellence days direkt beim SKZ ausgetragen haben, haben wir den Kontext wiederhergestellt. Der Rundgang durch das Technikum war dabei kein nettes Beiprogramm, sondern eine Erdung. Wir standen dort, wo die Wertschöpfung passiert. Wo Kunststoff verarbeitet, geprüft und optimiert wird. Das SKZ ist nicht nur ein Gastgeber, es ist ein Wissens-Hub. Und genau das wollten wir vermitteln: Wir liefern nicht nur Software, wir liefern Verständnis für das, was Sie da eigentlich jeden Tag tun. Mit starken Partnern wie dem SKZ.
Der Blick über den Tellerrand: Hellweg und die Kunst der Zerkleinerung
Es wäre ein Leichtes gewesen, zwei Tage lang nur über tetys-Features zu referieren. An dieser Stelle können Sie vielleicht mein Gähnen hören.
Das haben wir schon immer so gemacht? Eben nicht.
Wir sind der Meinung, dass man Probleme nur löst, wenn man den Kopf aus der eigenen Suppenschüssel hebt und guckt, was der Rest der Welt so treibt. Deshalb war es uns eine Herzensangelegenheit, Partner wie Hellweg Maschinenbau dabei zu haben.
Warum? Weil es zeigt, dass wir in einem Ökosystem leben. Eine Mühle von Hellweg muss mit Daten gefüttert werden, die Prozesse müssen überwacht werden, das Material muss fließen. Wenn innovative Hardware (Hellweg), Prozesswissen (SKZ) und Digitalisierung (tetys) zusammenkommen, dann entsteht Magie. Oder zumindest eine sehr effiziente Produktion. Und genau das ist der Punkt: Vernetzung ist keine rein technische Disziplin.
Das Gold liegt im Gespräch
Das vielleicht Wichtigste an diesen zwei Tagen war jedoch etwas, das wir nicht unmittelbar auf der Agenda stehen hatten: Der Austausch der Kunden untereinander.
Es ist faszinierend zu beobachten, was passiert, wenn man Führungskräfte und Anwender aus unterschiedlichen Unternehmen, aber mit ähnlichen Herausforderungen, in einen Raum “sperrt” (bei guter Verpflegung, versteht sich). Da stellen Sie plötzlich fest:
- "Ach, ihr habt auch Probleme mit der Materialzuordnung im Lager?"
- "Wie habt ihr das mit der Rückverfolgbarkeit gelöst?"
- "Der Bernd aus der Produktion sträubt sich bei euch auch gegen Tablets?"
Dieser Austausch auf Augenhöhe ist unbezahlbar. Wir als Softwarehersteller können viel erzählen. Aber wenn ein Kunde dem anderen erzählt: "Pass auf, wir haben das so gemacht, und seitdem läuft es", dann hat das ein ganz anderes Gewicht. Das ist authentisch. Das ist gelebte Praxis.
Fazit: Analog ist das neue Bio
Wir werden weiter digitalisieren. Wir werden weiter Prozesse automatisieren, bis die Schwarte kracht - ganz einfach, weil wir Spaß daran haben. Aber wir werden niemals aufhören, Menschen zusammenzubringen. Es ist doch ganz einfach:
Digitale Lösungen - Menschlich gedacht!
Diese Veranstaltung in Würzburg hat uns gezeigt, dass Partnerschaft mehr ist als ein Vertrag. Es ist das gemeinsame Verständnis für die Sache. Es ist das Lachen über gemeinsame Hürden. Und es ist die Gewissheit, dass man bei tetys nicht nur eine Kundennummer ist, sondern Teil einer Community, die gemeinsam besser werden will.
Wir nehmen aus diesen Tagen nicht nur Feedback zu unserer Software mit (davon gab es reichlich, danke dafür!), sondern vor allem die Bestätigung: Technologie verbindet Maschinen. Begegnungen verbinden Menschen.
Danke an das SKZ für die Gastfreundschaft und den Einblick in die Praxis. Danke an Hellweg Maschinenbau für den Blick über den Tellerrand. Und vor allem Danke an Sie, unsere Kunden, dass Sie den Weg auf sich genommen haben.
Es war für mich ein Fest! Und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Mal. Vielleicht gibt es dann wieder diese super leckeren Laugenbrötchen mit Weißwurst und süßem Senf - und das sage ich als Westfale.
PS: an anderer Stelle werden Sie in diesem Blog noch etwas zu unserem tetys Award lesen, den wir dieses Jahr das erste mal vergeben haben - dieses Thema ist aber einen eigenen Beitrag wert.
tetys GmbH & Co. KG