Warum ein Leitz-Ordner keine Zukunftshoffnung ist

Die digitale Seele des Shopfloors
12. Februar 2026
tetys

Kann Digitalisierung nachhaltig sein, wenn wir dabei den Menschen vergessen? Nein! Wer Digitalisierung nur als technisches Upgrade versteht, baut ein glänzendes Raumschiff, vergisst aber, dass jemand den Mut haben muss, einzusteigen und das Steuer zu übernehmen. Wahre digitale Transformation findet nicht auf dem Server statt, sondern im Kopf und im Herzen der Mitarbeitenden.

Waren Sie schon mal in einem dieser Büros, in denen ein Leitz-Ordner so viel Autorität ausstrahlt, dass man ihn fast grüßen möchte? Wir lachen darüber, aber in vielen Produktionshallen ist dieser Ordner oder sein Endgegner, nämlich das ausgedruckte Excel-Sheet immer noch der heimliche Chef.

Der analoge Tanz um das digitale Gold

Stellen wir uns das mal kurz vor. Da haben wir Hochleistungsmaschinen, die Laserstrahlen mit der Präzision eines Chirurgen schießen, aber daneben steht ein hochqualifizierter Mitarbeiter. Ein Profi. Und was macht dieser? Er nimmt einen Kugelschreiber, dessen Mine kurz vor dem Burnout steht, und überträgt händisch Zahlen von einem Monitor in ein ausgedrucktes Excel-Sheet, Klemmbrett inklusive.

Später wird dieses Sheet dann zu einer Kollegin gebracht, die diese Zahlen, Sie ahnen es, wieder in ein System eintippt. Das ist kein Prozess. Das ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Leute, die nicht nur eigentlich Besseres zu tun hätten.

Ist das wirklich produktiv?

Wenn wir ehrlich sind: Es ist der rhetorische Offenbarungseid unserer Zeit. Wir verbrennen wertvolle menschliche Kapazitäten für Aufgaben, die ein Toaster effizienter erledigen könnte, nur weil wir Angst haben, den „Haben-wir-schon-immer-so-gemacht“-Modus zu verlassen. Wir binden Menschen an stumpfsinnige Datenerfassung, während wir gleichzeitig über den Fachkräftemangel jammern. Das ist genau so, als würde man einen Formel-1-Fahrer bitten, seinen Wagen ins Ziel zu schieben, weil man dem Motor nicht traut.

Digitalisierung ist kein Tool, sondern eine Haltung

Auf der Industrie360digital werde ich auf der Bühne stehen und über genau diesen Punkt sprechen. Denn hier liegt der Hund begraben: Viele Führungskräfte glauben immer noch, Digitalisierung sei ein Werkzeug, das man kauft, installiert und dann „läuft das“. Übertrieben formuliert: Wie eine neue Kaffeemaschine.

Aber Software ist kein Selbstzweck. Wenn wir bei tetys über MES oder APS sprechen, dann meinen wir nicht nur effizientere Algorithmen und Schnittstellen. Wir meinen die Freiheit für den Menschen auf dem Shopfloor. Wir meinen die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden, dem wir die Last der sinnlosen Zettelwirtschaft von den Schultern nehmen, damit er wieder das tun kann, was er am besten kann: Werte schaffen!

Die drei Sünden der Transformation

Warum scheitern so viele Projekte? Ich sehe drei Gründe, die immer wiederkehren:

  1. Die Angst-Ignoranz: Führungskräfte führen Tools ein, ohne die Angst der Belegschaft vor Veränderung zu adressieren. Wer sich nicht mitgenommen fühlt, wird zum Sand im Getriebe.
  2. Das „Warum“-Vakuum: Es wird erklärt, wie man die Software bedient, aber nicht, warum sie das Leben jedes Einzelnen besser macht.
  3. Tool-Gläubigkeit: Man denkt, Software löst Kulturprobleme. Spoiler: Wenn Ihre Kommunikation vorher schon nicht funktioniert hat, wird eine App das Problem nur digital beschleunigen.

Der Blick in den Spiegel (und auf die Bühne)

Digitalisierung ohne Empathie ist wie ein Ferrari ohne Lenkrad – sieht im Prospekt super aus, fährt aber ungebremst gegen die Wand. Wir müssen die Schmerzen auf dem Shopfloor ernst nehmen. Wir müssen verstehen, dass Digitalisierung eine soziale Aufgabe ist.

Ich freue mich darauf, bei der Industrie360digital genau darüber zu diskutieren. Ohne Bullshit-Bingo, dafür mit einer klaren Kante für den Menschen. Denn am Ende des Tages sind es nicht die Daten, die den Erfolg eines Unternehmens ausmachen. Es sind die Menschen, die diese Daten nutzen, um gemeinsam etwas Großes zu schaffen.

Vielleicht lassen wir den Leitz-Ordner an diesem Tag einfach mal im Schrank. Oder wir nutzen ihn als Briefbeschwerer für die alten Excel-Listen. Das wäre doch mal ein Anfang, oder?

Wir sehen uns in der Zukunft. Oder zumindest auf der Bühne.

Image: Michael Keuters
Michael ist seit 2020 bei der tetys tätig, zu Beginn als Projektmanager und mittlerweile als Geschäftsführer. Er bringt seine Leidenschaft für Digitalisierung und komplexe Produktionsprozesse in die tägliche Arbeit ein und hat großen Spaß an den komplexen Fragen und deren Lösungen. Darüber hinaus ist er ein leidenschaftlicher Fußballfan - hierbei schlägt sein Fan-Herz für die schwarz-gelbe Region des Ruhrgebiets sowie die Heimatstadt der Beatles - und passionierter FIFA-Spieler. Keine Version seit FIFA 96 hat er verpasst. Trotz der Herausforderungen des Berufslebens und als zweifacher Vater findet er immer noch die Zeit, sich auf dem virtuellen Spielfeld zu beweisen.

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