Wissenstransfer 4.0

Wie Sie das „Bauchgefühl“ Ihrer Profis in Software-Logik verwandeln
05. März 2026
tetys

Stellen Sie sich vor, es ist Montagmorgen, 07:00 Uhr. In der Produktionsplanung herrscht Hochbetrieb. Ein Eilauftrag kommt rein, eine Maschine meldet eine Störung, und zwei Mitarbeiter haben sich krankgemeldet. Inmitten dieses Chaos sitzt Frau Müller. Sie ist seit 35 Jahren im Betrieb. sie schaut kurz auf den Monitor, murmelt etwas von „Umrüstzeiten bei Anlage 4“ und schiebt drei Aufträge auf dem digitalen Planboard hin und her. Zehn Minuten später läuft alles wieder wie am Schnürchen.

Fragt man Frau Müller, wie sie das gemacht hat, zuckt sie meist nur mit den Schultern: „Das hat man im Gefühl. Ich weiß einfach, dass die rote Charge nicht nach der blauen laufen darf, sonst putzen wir drei Stunden.“

Das Problem: Dieses „Gefühl“ geht bald in Rente.

In den nächsten fünf bis zehn Jahren verliert die deutsche Industrie durch den Renteneintritt der „Babyboomer“ einen immensen Schatz an Erfahrungswissen. Wenn Experten wie Frau Müller das Werkstor zum letzten Mal durchschreiten, nehmen sie oft die unsichtbaren Spielregeln der Produktion mit. Für Unternehmen ist das ein existenzielles Risiko.

Die Gefahr des „impliziten Wissens“

In der Wissensmanagement-Theorie unterscheidet man zwischen explizitem und implizitem Wissen.

 * Explizites Wissen ist dokumentiert: Arbeitsanweisungen, Wartungspläne, Stücklisten.

 * Implizites Wissen ist das, was Frau Müller hat: Intuition, Erfahrungswerte, das Wissen um informelle Prozesse und technische Eigenheiten der alten Maschinen.

Solange dieses Wissen nur in den Köpfen existiert, ist Ihr Unternehmen verwundbar. Ein Junior-Planer, der frisch von der Uni oder aus der Ausbildung kommt, kann dieses Jahrzehnte lange Training des Gehirns nicht in wenigen Wochen nachholen – es sei denn, wir geben ihm ein Werkzeug an die Hand, das dieses Wissen bereits „eingebaut“ hat.

Digitalisierung ist kein Ersatz, sondern eine Konservierung

Oft wird Digitalisierung als Bedrohung für den erfahrenen Mitarbeiter wahrgenommen. „Will die Software mich jetzt ersetzen?“ Die Antwort von tetys lautet ganz klar: Nein.

Das Ziel ist nicht der „planerlose Betrieb“, sondern die Demokratisierung von Expertenwissen. Wenn wir die Erfahrungswerte von Profis wie Frau Müller in die Logik eines APS-Systems (Advanced Planning and Scheduling) wie FEKOR oder in ein MES (Manufacturing Execution System) integrieren, schaffen wir eine digitale Versicherungspolice für das Unternehmen.

Ein klassisches Beispiel ist die Rüstoptimierung. Der erfahrene Planer weiß genau, in welcher Reihenfolge Aufträge laufen müssen, um die Reinigungszeiten zu minimieren. In der tetys-Welt gießen wir dieses Wissen in eine digitale Rüstmatrix. Wir definieren Abhängigkeiten: Farbe, Material, Legierung, Temperatur. Die Software berechnet dann sekundenschnell das Optimum, das Frau Müller bisher mühsam im Kopf jongliert hat.

Erfahrene Mitarbeiter wissen auch, welche Maschine bei welcher Auslastung „zickt“. Dieses Wissen lässt sich in Form von Planungsregeln hinterlegen. Wenn die Software erkennt, dass eine bestimmte Lastgrenze erreicht wird, kann sie automatisch Warnungen ausgeben oder alternative Routen vorschlagen – basierend auf den Regeln, die zuvor mit den Experten definiert wurden.

Der „Junior-Effekt“: Onboarding beschleunigen

Ein massiver Vorteil der Wissensdigitalisierung ist die Entlastung der Personalabteilung. Der Fachkräftemangel sorgt dafür, dass wir heute oft Quereinsteiger oder weniger erfahrene Kräfte einsetzen müssen.

Ohne ein unterstützendes System wie die tetys-Suite ist die Einarbeitungszeit enorm. Der Neue muss jeden Fehler einmal gemacht haben, um daraus zu lernen. Mit einer intelligenten Software-Unterstützung erhält der Junior-Planer Leitplanken. Die Software sagt ihm nicht nur, was zu tun ist, sondern verhindert durch Validierungen, dass sie grobe Fehlentscheidungen trifft (z.B. die Einplanung eines Auftrags auf einer ungeeigneten Maschine).

Dies führt zu einer „Assistierten Planung“. Der Mensch bleibt der Entscheider, aber die Software übernimmt die Rolle des Mentors, der im Hintergrund die physikalischen und logischen Grenzen der Produktion überwacht.

Der psychologische Faktor: Wertschätzung statt Verdrängung

Wie nimmt man die „Müllers“ dieser Welt bei diesem Prozess mit? Es ist entscheidend, den Wissenstransfer als Form der Wertschätzung zu verkaufen. Indem wir Frau Müller bitten, ihr Wissen in das System zu übertragen, erklären wir sie zur Architektin der zukünftigen Produktion.

Sie ist nicht mehr diejenige, die „Feuer löscht“, sondern diejenige, die das „Brandschutzkonzept“ für die nächste Generation schreibt. Das entlastet sie zudem in ihren letzten Berufsjahren von stressigen Routineentscheidungen und gibt ihr den Raum, sich auf wirklich komplexe Sonderfälle zu konzentrieren.

Wie beginnt man den Transfer?

Der Weg zum digitalen Gedächtnis Ihrer Produktion ist kein IT-Projekt, sondern ein Kommunikationsprojekt.

  1.  Engpässe identifizieren: Wo hängt der Erfolg einer Schicht am stärksten von einer einzelnen Person ab?
  2.  Regeln extrahieren: Setzen Sie den Experten und den Software-Berater an einen Tisch. Stellen Sie Fragen wie: „Warum haben Sie diesen Auftrag gerade dorthin geschoben?“
  3.  In Software abbilden: Nutzen Sie die Flexibilität von FEKOR, um genau diese individuellen Logiken abzubilden.
  4.  Feedback-Schleifen: Lassen Sie den Experten die Vorschläge der Software bewerten und verfeinern („Tuning“).


Der demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten, aber seine negativen Folgen für die Produktion sind vermeidbar. Unternehmen, die jetzt darin investieren, das implizite Wissen ihrer Belegschaft in digitale Logik zu transformieren, sichern sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Sie werden agiler, unabhängiger von einzelnen Personen und attraktiver für neue Talente, die moderne Arbeitswerkzeuge erwarten. Mit realistischem Optimismus adressiere ich daher an alle geneigten und vielleicht sogar getriggerten Leserinnen und Leser:

Die Zeit drängt, ABER: die Technik steht bereit!

Bei tetys sehen wir uns nicht nur als Softwarelieferant. Wir sind die Brückenbauer zwischen der Erfahrung der alten Hasen und der Dynamik der digitalen Zukunft. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass das „Bauchgefühl“ Ihrer besten Leute nicht mit ihnen in den Ruhestand geht, sondern zum Herzschlag Ihrer digitalen Fabrik wird.

Image: Philipp Deneer
Philipp ist seit Anfang 2024 Teil des tetys Teams. Sowohl dort als auch in freier Wildbahn kontert er Probleme am liebsten maßgeschneidert. Sein Spaß an „paperless“ endet bei der heimischen Konzertpostersammlung und seine Leidenschaft für gelungene Visualisierung aller möglichen Themen stillt er außerhalb der tetys-Umgebung am liebsten im Kino und der weiteren (lokalen) Kulturlandschaft.

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